Roland Fischer: Artist Statement about STOA 169 , THE ARTIST COLUMNED HALL IN POLLING, 2020

 
 
„No Man is an Island“

 
 

Als ich im Sommer 2019 mit Bernd Zimmer zum ersten Mal auf der Wiese stand, auf welcher die Säulenhalle des STOA 169 Projekts errichtet werden sollte, einer Wiese inmitten der welligen Landschaft des bayerischen Voralpengeländes, noch in Hörweite des kleinen Flusses Ammer, umgeben von Maisfeldern und Waldsegmenten, erreicht nach einem etwa 20-minütigen Spaziergang, und wir, durch Bernd Zimmers Beschreibungen, die Säulenhalle vor unserem geistigen Auge entstehen ließen, kreiste unser Gespräch dem Anlass entsprechend um die beiden klassischen Antipoden Kunst und Natur.
 
Ziemlich genau 200 Jahre nachdem Alexander von Humboldt dem Verhältnis von Natur und Kultur eine neue, alles entscheidende Wende gegeben hatte, stellt sich Bernd Zimmers Projekt STOA 169 mittels der Sprache der Kunst dieser fundamentalen Fragestellung erneut. Denn auf der Wiese bei Polling manifestiert sich die durch das künstlerische Bewusstsein sublimierte Kultur direkt innerhalb der Natur. Die Vernunft, das Rationale, durch die beschwichtigende Ordnung des Rasters der Säulenhalle verexemplifiziert, zeigt sich mit den emotionalen, sozialkritischen, politischen oder konzeptuellen Darstellungen der verschiedenen künstlerischen Umsetzungen in einem humanen Dialog – international, global…

Humboldts Einsicht, die er durch seine Forschungsreisen erstmals auch wissenschaftlich untermauern konnte, war: „Alles hängt mit allem zusammen“, miteinbegriffen der Mensch.

Bei den Überlegungen zu meiner eigenen Säulengestaltung für STOA 169 fiel mir eine Architekturfassade ein, die ich vor wenigen Jahren in einem Vorort von Tokyo fotografiert hatte. Diese simuliert eine Struktur, die die Identität, bzw. den Zusammenhang von Mikrokosmos und Makrokosmos aufzeigen kann: zum einen kann sie gelesen werden als mikroskopische Vergrößerung der menschlichen Knochenstruktur (apropos Knochen: die „Säulen“ des menschlichen Körpers), zum anderen jedoch auch als Abbild einer teleskopischen Aufnahme von Galaxienhaufen im weiten Universum.

Ganz neu war Humboldts ganzheitlicher Ansatz übrigens nicht, er wurde jedoch eher von Dichtern wie Clemens Brentano oder Mystikern wie z.B. John Donne artikuliert: „No Man is an Island, entire of itself…“.
 
Mit diesem Zitat hatte ich auch den Titel für meine Säule gefunden.

Roland Fischer 2020

(english)